L02-M3 · Anwendungs- und Informationsarchitektur

Anwendungen und Informationen zu einer tragfähigen Architektur verbinden

Wir ordnen ERP-, CRM-, BDE- und Fachanwendungen nach ihrer Aufgabe im Geschäftsprozess. Dabei klären wir, welche Systeme führend sind, wie Informationen zwischen ihnen fließen und wo Standardfunktion, Konfiguration, Erweiterung oder Individualentwicklung erforderlich sind.

Über einzelne Anwendungen hinaus betrachten wir operative Daten, Staging, Integration, Historisierung, Datawarehouse und Auswertung als zusammenhängende Informationsarchitektur.

Übergeordnet
L02 · Datenbankarchitektur, Performance & Anwendungen
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Management
Ergebnis unserer Mitwirkung
Eine abgestimmte Entscheidungsgrundlage für Anwendungsarchitektur, Informationsflüsse und betriebliche Weiterentwicklung
Methodik
Geschäftsprozesse zuordnen · Anwendungen bewerten · Informationen ordnen · Optionen vergleichen · Zielarchitektur beschreiben
L02-M3

Wie wird aus einzelnen Anwendungen ein zusammenhängendes Informationssystem?

Unternehmen betreiben selten eine einzige Anwendung. ERP, CRM, Betriebsdatenerfassung, Planung, Produktion, Qualitätssicherung, Dokumentation und Auswertung erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Viele dieser Systeme greifen jedoch auf dieselben Geschäftsobjekte zu und verändern deren Daten aus unterschiedlichen Perspektiven.

Ohne eine gemeinsame Architektur entstehen widersprüchliche Bestände, mehrfache Datenpflege, unklare Zuständigkeiten und schwer beherrschbare Schnittstellen. Änderungen an einem System wirken dann unerwartet auf andere Prozesse und Anwendungen.

Wir verbinden Geschäftsprozesse, Anwendungen und Informationsflüsse zu einem nachvollziehbaren Gesamtbild. So können notwendige Veränderungen dort angesetzt werden, wo sie fachlich und technisch sinnvoll sind.

01 · Anwendungsaufgaben

Anwendungen nach ihrer Aufgabe einordnen

Zunächst betrachten wir, welche Aufgabe jede Anwendung im Geschäftsprozess erfüllt und welches Ergebnis sie erzeugt.

Dazu gehören beispielsweise:

  • ERP-Systeme für Ressourcen, Aufträge, Beschaffung und Abrechnung
  • CRM-Systeme für Kunden, Kontakte und Geschäftsvorgänge
  • BDE- und Produktionssysteme für Betriebs-, Maschinen- und Fertigungsdaten
  • Planungs- und Dispositionssysteme
  • Revisions- und Dokumentationssysteme
  • Mess-, Qualitäts- und Nachweissysteme
  • individuelle Fachanwendungen
  • Datawarehouses und Auswertungsplattformen
  • manuelle Ergänzungs- und Ersatzverfahren

Wir ordnen die Anwendungen ihren Geschäftsprozessen, Nutzergruppen, Verantwortlichkeiten und Informationsbeständen zu. Damit wird sichtbar, welche Funktionen mehrfach vorhanden sind, wo Anwendungen voneinander abhängen und welche Systeme für das Unternehmen besonders kritisch sind.

02 · Informationsverantwortung

Führende Systeme und Informationsverantwortung bestimmen

Ein Geschäftsobjekt kann in mehreren Anwendungen verwendet werden. Dennoch muss nachvollziehbar bleiben, welches System welche Information erzeugt, verändern darf und verbindlich bereitstellt.

Wir untersuchen unter anderem:

  • Kunden, Lieferanten und Geschäftspartner
  • Produkte, Leistungen und Verträge
  • Aufträge und Geschäftsvorgänge
  • Anlagen, Maschinen und technische Objekte
  • Standorte und organisatorische Einheiten
  • Ressourcen und Kapazitäten
  • Mess-, Betriebs- und Qualitätsdaten
  • Status, Gültigkeiten und Historien

Für wesentliche Informationsbestände klären wir:

  • Wo entsteht die Information?
  • Welches System ist für sie führend?
  • Wer trägt die fachliche Verantwortung?
  • Welche Anwendungen dürfen sie verändern?
  • Welche Systeme erhalten Kopien?
  • Wie werden Abweichungen erkannt?
  • Welche Historie und Nachweise müssen erhalten bleiben?

Damit wird Informationsverantwortung von bloßem Datenbesitz unterschieden.

03 · Standard und Individualisierung

Standardfunktion und Individualisierung abwägen

Bei Standard- und ERP-Systemen ist nicht jede fachliche Besonderheit ein ausreichender Grund für Individualentwicklung. Umgekehrt kann ein erzwungener Standardprozess geschäftskritische Abläufe verschlechtern oder notwendige Differenzierung verhindern.

Wir unterscheiden deshalb:

  • vorhandene Standardfunktion
  • mögliche Konfiguration
  • herstellervorgesehene Erweiterungen
  • erforderliche Schnittstellen
  • kundeneigene Anwendungen und Datenbankobjekte
  • organisatorische Prozessanpassungen
  • verbleibende funktionale Lücken

Für wesentliche Abweichungen bewerten wir Nutzen, Aufwand und dauerhafte Folgen. Dazu gehören Wartbarkeit, Releasefähigkeit, Abhängigkeit vom Hersteller, notwendiges Spezialwissen und langfristige Betriebskosten.

Das Ergebnis ist keine automatische Entscheidung für Standard oder Individualisierung. Es ist eine nachvollziehbare Grundlage für die passende Lösung im jeweiligen Geschäftsprozess.

04 · Informationsflüsse

Informationsflüsse über Systemgrenzen ordnen

Zwischen Anwendungen werden nicht nur Datensätze übertragen. Es werden fachliche Zustände, Verantwortlichkeiten und zeitliche Gültigkeiten weitergegeben.

Wir beschreiben deshalb:

  • Quelle und Ziel der Information
  • fachliche Bedeutung und Verbindlichkeit
  • Zeitpunkt und Häufigkeit der Bereitstellung
  • Transformationen und Verdichtungen
  • Abhängigkeiten zu weiteren Datenbeständen
  • Kontroll- und Abstimmungsbedarf
  • Fehler- und Wiederanlaufwege
  • Verantwortlichkeiten für Inhalt und Verarbeitung

So wird erkennbar, welche Informationen unmittelbar für operative Prozesse benötigt werden und welche zeitversetzt integriert, historisiert oder ausgewertet werden können.

05 · Operativ und analytisch

Operative und analytische Nutzung unterscheiden

Operative Anwendungen unterstützen laufende Geschäftsvorgänge. Analytische Systeme führen Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammen, bewahren historische Entwicklungen und ermöglichen übergreifende Auswertungen.

Diese Aufgaben stellen unterschiedliche Anforderungen an Aktualität, Struktur, Datenqualität und Verarbeitung. Werden operative und analytische Nutzung unkontrolliert vermischt, können Produktionssysteme belastet und Auswertungsergebnisse widersprüchlich werden.

Wir unterscheiden daher:

  • operative Anwendungssysteme
  • Übergabe- und Staging-Bereiche
  • Integrations- und Harmonisierungsschichten
  • Operational Data Stores
  • historisierte Datawarehouses
  • thematische Auswertungsbestände
  • Reporting und analytische Nutzung

Architekturmodelle wie Bill Inmons Corporate Information Factory helfen, Herkunft, Integration, Historisierung und Verwendung von Informationen in einen gemeinsamen Zusammenhang einzuordnen. Sie stehen nicht auf derselben Ebene wie ERP, CRM oder BDE, sondern beschreiben deren Einbindung in eine übergreifende Informationsarchitektur.

06 · Migration

Migration und Weiterentwicklung vorbereiten

Gewachsene Anwendungslandschaften lassen sich selten durch einen einzigen Systemwechsel verändern. Daten, Funktionen, Schnittstellen und Verantwortlichkeiten müssen schrittweise in eine neue Ordnung überführt werden.

Wir betrachten:

  • weiter zu nutzende Bestandsanwendungen
  • zu ersetzende oder stillzulegende Systeme
  • übergangsweise erforderliche Schnittstellen
  • zu migrierende Daten und Historien
  • temporäre Mehrfachführung
  • notwendige Datenbereinigung
  • Abhängigkeiten zu laufenden Geschäftsprozessen
  • fachliche und betriebliche Voraussetzungen
  • mögliche Übergangs- und Rückfallszenarien

Damit wird die Zielarchitektur nicht als isoliertes Zukunftsbild beschrieben. Sie wird mit einem realistischen Weg aus der bestehenden Landschaft verbunden.

07 · Betriebsfolgen

Dauerhafte Betriebsfolgen sichtbar machen

Eine neue Anwendung oder Integration verändert nicht nur Technik. Sie erzeugt dauerhafte Aufgaben, Kosten und Verantwortlichkeiten.

Wir machen deshalb sichtbar:

  • benötigte Betriebs- und Supportleistungen
  • Abhängigkeiten zu Herstellern und Lieferanten
  • erforderliche Kompetenzen und Ressourcen
  • Pflege kundeneigener Erweiterungen
  • Monitoring und Fehlerbehandlung
  • Berechtigungs- und Sicherheitsanforderungen
  • Backup, Restore und Wiederanlauf
  • Datenpflege und Abstimmung
  • Release-, Wartungs- und Migrationsaufwand
  • dauerhafte Lizenz- und Infrastrukturkosten

Der betriebliche Owner muss beurteilen können, ob die Architektur nicht nur fachlich überzeugt, sondern auf Dauer organisatorisch und wirtschaftlich getragen werden kann.

08 · Architekturentscheidung

Architekturentscheidungen nachvollziehbar vorbereiten

Wir verdichten Geschäftsprozesse, Anwendungsfunktionen, Informationsflüsse und Betriebsfolgen zu vergleichbaren Handlungsoptionen.

Für wesentliche Optionen beschreiben wir:

  • unterstützte Geschäftsprozesse und erwarteter Nutzen
  • beteiligte Anwendungen und Informationsbestände
  • führende Systeme und Verantwortlichkeiten
  • Standardfunktion und erforderliche Erweiterungen
  • Schnittstellen und Migrationsbedarf
  • Auswirkungen auf Betrieb und Support
  • dauerhafte Kosten und Abhängigkeiten
  • Risiken und offene Annahmen
  • erforderliche Entscheidungen und Mitwirkungen

Damit entsteht ein nachvollziehbarer Entscheidungsweg vom heutigen Bestand zur angestrebten Anwendungs- und Informationsarchitektur.